Der Name KomaKinoMag geht auf einen Song zurück. Komakino war eine Single von Joy Division, im Juni 1980 auf Factory Records als biegsame 7-Zoll-Flexidisc erschienen, 50.000 Stück davon wurden in Plattenläden verschenkt. Eine Platte, die nichts kostete, von einer Band, die kein Interesse an Hochglanz hatte: Als Leitmotiv für eine Seite über Indie Musik passt das bis heute.
Indie Musik zwischen Anti-Folk und Indie-Pop
Die Musikseite folgt keinem Genre. Sie folgt Leuten, die ihre Musik selbst in die Hand genommen haben. Das reicht von der Songwriterin, die ihre Alben zu Hause aufnimmt, bis zur Band, die ein ganzes Album auf Walisisch singt, obwohl ihre Plattenfirma lieber Englisch gehört hätte. Indie Musik bedeutet hier vor allem: kleine Labels, eigene Entscheidungen, oft wenig Geld und erstaunlich viele Ideen.
Ein Teil der Porträts handelt von bekannten Namen, deren Werk gut dokumentiert ist. Ein anderer Teil beschäftigt sich mit Bands, über die es nur eine Handvoll Quellen gibt: Discogs-Einträge, Bandcamp-Seiten, Labeltexte. Auch die bekommen eine eigene Seite, nur eben eine kürzere.
Porträts aus New York, Melbourne, Cardiff und Nottingham
- Kimya Dawson gründete mit Adam Green die Moldy Peaches und nahm danach eine Reihe von Lo-Fi-Alben auf. Fünf ihrer Solo-Songs landeten 2007 auf dem Soundtrack zu Juno, der Platz eins der Billboard 200 erreichte.
- Architecture in Helsinki entstanden aus einem Schulprojekt in Albury und zogen nach Fitzroy in Melbourne. Aus der vielköpfigen Band mit Blockflöte und Tuba wurde später eine Synthiepop-Gruppe, die seit 2018 ruht.
- Die Super Furry Animals kommen aus Cardiff und gründeten sich 1993. Ihr walisischsprachiges Album Mwng wurde im Parlament gelobt, 2026 standen sie wieder auf der Bühne.
- Mark Spivey ist kein Sänger, sondern Produzent, Toningenieur und DJ aus der Gegend um Nottingham. Er produzierte unter anderem Lay of the Land von Seachange (Matador, 2004) und das Debüt von Amusement Parks On Fire.
- Eerie ist das Projekt von Eric Obo, der laut Label zwischen Göteborg und St Helier auf Jersey pendelt. 2008 erschienen zwei EPs mit Gitarren, Verzerrung und Slide-Gitarre, eine davon mit Texten in Tolkiens Elbensprache Quenya.

Indie Pop Bands aus Deutschland: Hamburg, München, Köln
Wer nach Indie Pop Bands sucht, die ohne Plattenvertrag auskamen, landet schnell bei Kinokoma. Das Netlabel brachte zwischen 2007 und 2012 alle Veröffentlichungen als kostenlose Downloads heraus, das Artwork inklusive. Mehrere Indie Pop Bands Deutschlands aus diesem Umfeld haben hier ein eigenes Porträt:
- Mikrofisch gründeten sich 2001 in Köln und wurden später ein Fernduo zwischen München, Hamburg und London. Ihr Album Masters of the Universe (2007) wählte das taz-Blog von Christian Ihle zum Album des Monats.
- The Voltarenes begannen 2004 in einer Münchner WG und schrieben sich ein Manifest: maximale Reduktion, der erste Take zählt. Ihr Debütalbum Proceedings erschien 2009.
- Miss Alaska ist eine Solokünstlerin aus Hamburg, die an der Hochschule für Musik und Theater Geige, Klavier und Gesang studierte. Auf 100 Names for Snow (2009) spielt sie alle Instrumente selbst.
- The Walkie Talkie Monsters sind das Ein-Mann-Projekt von Mawe N. Klave, aufgenommen im Hamburger Schlafzimmer. Die Pink Noise E.P. von 2009 kommt mit Stylophon und Theremin aus.
Etwas quer dazu steht Carsten Bohn's Bandstand. Der Hamburger Schlagzeuger spielte 1969 bei der Gründung von Frumpy mit und schrieb ab 1979 Musik für die Hörspiele von EUROPA, darunter Die drei ??? und TKKG. Mit Indie-Pop hat das wenig zu tun, mit Eigensinn umso mehr: Weil er die alten Bänder nicht veröffentlichen durfte, spielte er die Stücke ab 2004 einfach neu ein.

Kinokoma: ein Netlabel mit Hausband
Auffällig ist, wie eng die deutschen Acts zusammenhängen. Mawe N. Klave spielt bei Mikrofisch, bei The Voltarenes und allein als The Walkie Talkie Monsters. Die Voltarenes nannte das Label seine Hausband. Die erste Kinokoma-Veröffentlichung überhaupt war ihre digitale Single Anagrams im September 2007, mit einer Coverversion von „Roadrunner“ der Modern Lovers auf der B-Seite. Mehrere Platten des Labels hat Martin Glos in Hamburg gemastert. Das liest sich weniger wie ein Katalog als wie ein Freundeskreis mit gemeinsamem Synthesizer-Fundus.
Das Fanzine KOMAKINO 2005–2011
Zwischen 2005 und 2011 erschien das Fanzine KOMAKINO, ein Online-Magazin über Indie Musik aus Deutschland, Großbritannien, Australien und den USA. Das frühere Fanzine führte vor allem lange Interviews. 2006 und 2007 sprach es unter anderem mit Kimya Dawson, mit Sam Perry von Architecture in Helsinki, mit Carsten Bohn's Bandstand und mit Mark Spivey. Auch Seachange kamen vor, und zur Zeit von Hey Venus! befragte das Fanzine Cian Ciaran, den Keyboarder der Super Furry Animals.
Neben den Gesprächen druckte KOMAKINO Konzerttermine ab, etwa eine Deutschlandtour der Super Furry Animals mit Stationen in Köln, Hamburg, Berlin, München und Heidelberg. Ab 2007 betrieb das Umfeld des Fanzines außerdem das Label Kinokoma, dessen Katalog von koma 11 (2007) bis koma 36 (2012) reicht. Ende 2011 lief das Projekt dann ganz unter dem Namen Kinokoma weiter.
Die Interviews des Fanzines werden nicht nachgedruckt. Das Archiv bleibt ein Ausgangspunkt: Es zeigt, welche Bands und Künstler das Fanzine damals für wichtig hielt, und die Porträts erzählen ihre Geschichte mit dem Wissen von heute weiter. Bei manchen ist diese Geschichte inzwischen ziemlich lang geworden. Die Super Furry Animals etwa spielten im August 2026 beim National Eisteddfod zum ersten Mal ein Konzert komplett auf Walisisch.
Wo Musik und Kino sich treffen
Einige Porträts reichen ins Kino hinüber. Der Soundtrack zu Juno hat eine eigene Seite, ebenso die Frage, welche Serien-Soundtracks Bands bekannt gemacht haben. Die Super Furry Animals gehören dazu: Ihr Song „Hello Sunshine“ lief in The O.C.
