Den Namen hat Cameron Bird aus einer Zeitung geschnitten. Er zerlegte eine Seite, setzte die Wörter neu zusammen, und heraus kam eine Stadt, mit der die Band nichts zu tun hat. Das passt zu einer Gruppe, die ihre Musik lange Zeit genauso gebaut hat: aus Fundstücken, umgestellt, bis etwas Eigenes entstand.
Architecture in Helsinki: von Albury nach Melbourne
Architecture in Helsinki begannen als Schulprojekt in Albury, einer Stadt in New South Wales an der Grenze zu Victoria. Spätestens 1999 waren die Gründer nach Fitzroy gezogen, einen innenstadtnahen Stadtteil von Melbourne. Melbourne blieb von da an der Ort, an dem die Band lebte und aufnahm.
Die Besetzung war nie stabil. Zur letzten Formation gehörten Cameron Bird, Gus Franklin, Jamie Mildren, Sam Perry und Kellie Sutherland. Vorher spielten unter anderem James Cecil, Isobel Knowles und Tara Shackell mit, und eine Zeit lang standen acht Leute auf der Bühne.
Die Alben von Fingers Crossed bis Now + 4eva
Sechs Alben hat die Band veröffentlicht, wenn man die Remixplatte mitzählt:
- Fingers Crossed (2003, Trifekta; in Nordamerika 2004 bei Bar/None)
- In Case We Die (2005, auf dem bandeigenen Label Tailem Bend)
- We Died, They Remixed (2006, Remixe unter anderem von Hot Chip und Isan)
- Places Like This (2007, Polyvinyl)
- Moment Bends (2011)
- Now + 4eva (2014)
Auf den ersten beiden Alben ist erstaunlich viel los: Glockenspiel, analoge Synthesizer, Blockflöte, Tuba, Posaune, Klarinette und Händeklatschen. In Case We Die bekam 2005 drei ARIA-Nominierungen. Mit jeder späteren Platte wurden die Alben schlanker, und auf Moment Bends war der Weg zum Synthiepop abgeschlossen. Dieses Album stieg auf Platz 12 der ARIA-Charts ein, die beste Platzierung der Band.
Die Remixplatte von 2006 wirkt im Rückblick wie ein Hinweis. Dass eine Band mitten in ihrer verspieltesten Phase Leute wie Hot Chip an ihre Songs lässt, zeigt früh, wohin es später gehen sollte: Richtung Elektronik und Tanzfläche.

Die Songs: von Do the Whirlwind bis Contact High
Die bekanntesten Songs verteilen sich über drei Phasen. Als Architecture in Helsinki Do the Whirlwind 2004 auskoppelten, kannten das Lied vor allem Hörer von Indie-Sendern; in Großbritannien reichte es gerade für Platz 168. Trotzdem ist es das Stück, an das viele zuerst denken. Es fasst die frühe Band gut zusammen: viele Stimmen, plötzliche Tempowechsel, eine Melodie, die man nach einmal Hören mitsummt.
Von In Case We Die stammt außerdem „It'5!“, das 2005 auf Platz 56 der Triple J Hottest 100 kam. Die Ära von Places Like This brachte „Heart It Races“, das in Australien Platz 47 der Singlecharts und Platz 19 der Hottest 100 erreichte, und „Hold Music“. Am erfolgreichsten in der Heimat war aber „Contact High“ von 2011. Der Song wurde ihr populärstes Lied in Australien und erhielt eine ARIA-Nominierung.
Wer neu einsteigt, sollte mit Architecture in Helsinki Do the Whirlwind beginnen und dann zu „Contact High“ springen. Der Abstand zwischen den beiden Songs zeigt in sieben Jahren, wie weit sich eine Band bewegen kann.

Places Like This und das Studio in Brooklyn
Als Architecture in Helsinki Places Like This 2007 bei Polyvinyl veröffentlichten, war die Gruppe kleiner geworden und das Material direkter. Ein Teil des Albums entstand in Williamsburg, Brooklyn, im Studio von Dave Sitek von TV on the Radio. Die Platte klingt kompakter als ihre Vorgänger, mit weniger Bläsern und mehr Rhythmus. In den USA reichte es für Platz 7 der Heatseekers-Charts, in Australien für Platz 30.
Ob man Architecture in Helsinki Places Like This für einen Fortschritt hält, hängt davon ab, was man an der Band mochte. Die Songs sind klarer gebaut. Ein Teil des Durcheinanders, das In Case We Die so besonders gemacht hat, ging dabei verloren, und das ist schade.
Besetzungen und Live-Ruf
Live war die Band berüchtigt. Ein Kritiker beschrieb ihre Konzerte als verwirrende Fahrt durch Tempowechsel, Fingerschnipsen und getauschte Instrumente. Bei acht Leuten auf der Bühne blieb kaum jemand länger als ein Lied an seinem Platz. 2007 spielten sie beim South by Southwest in Austin und beim Primavera Sound in Barcelona. Wer diese Art von Auftritt mag, findet in den Konzertfilmen Verwandtes.
Das frühere Fanzine KOMAKINO sprach zur Zeit von In Case We Die mit Bassist Sam Perry, einem der Gründungsmitglieder. Die erste Frage galt, wenig überraschend, dem Bandnamen.
Für das letzte Album Now + 4eva ließ sich die Band etwas Neues einfallen: Vom 28. März bis zum 6. April 2014 betrieb sie im Einkaufszentrum Melbourne Central einen vorübergehenden Concept Store.
Pause seit 2018
2018 sagte Cameron Bird, die Gruppe arbeite nach keinem Zeitplan mehr. Man werde etwas veröffentlichen, wenn etwas entstanden sei, auf das man stolz sei. Seitdem ist nichts erschienen. Wer den verspielten Indie-Pop der frühen Jahre vermisst, findet ihn im kleinen Maßstab bei Mikrofisch, die ihre Platten ebenfalls mit Casio-Keyboard und Wohnzimmer-Instrumenten aufnahmen, und im Anti-Folk von Kimya Dawson, die wie die frühe Band aus Melbourne nie viel auf Studioglanz gegeben hat.
