Wer nach Mark Spivey sucht, landet schnell bei den falschen Leuten. Unter dem Namen tauchen ein Agent in den USA und Musiker auf, die mit dem Mann aus Nottingham nichts zu tun haben. Der Mark Spivey, um den es hier geht, steht im Kleingedruckten: als Produzent, als Toningenieur, als Mixer und auf einer Platte sogar als Fotograf im Studio. Discogs fasst ihn in einem halben Satz zusammen, als Toningenieur und Produzent aus der Gegend von Nottingham.
Das ist wenig Text für fast dreißig Jahre Arbeit.
Der Mann hinter dem Pult
Ein Produzent ist im Indie-Betrieb der späten Neunziger und frühen Nullerjahre selten berühmt, aber fast immer prägend. Kleine Bands hatten wenig Geld und noch weniger Studiozeit. Wer in diesen Wochen am Pult saß, entschied mit, wie laut der Gesang liegt, wie viel Raum eine Gitarre bekommt und ob ein Song am Ende nach Proberaum oder nach fertiger Platte klingt. Diese Entscheidungen stehen nirgends im Booklet, sie stecken in jeder Minute Musik.
Bei Spivey kommt dazu, dass er auch als DJ gearbeitet hat. Er kannte also beide Seiten: die Platte, die im Studio entsteht, und den Moment, in dem sie in einem Club läuft und funktionieren muss.
Seachange und Lay of the Land
Die bekannteste Produktion in seiner Liste ist Lay of the Land, das Album der Band Seachange aus dem Jahr 2004. Es erschien bei Matador. Aufgenommen wurde es zwischen Juni und September 2003 im Studio First Love, gemastert in den Abbey Road Studios. Spivey ist als Produzent genannt und wird außerdem für die Fotos aus dem Studio geführt, ein kleines Detail, das zeigt, wie nah er an dieser Platte war.
Mit Seachange arbeitete er schon vorher. Superfuck erschien 2002, AvsCo10 und die Glitterball EP folgten 2003, beide ebenfalls mit ihm als Produzent. Eine Band, die über drei Veröffentlichungen beim selben Produzenten bleibt und dann mit ihm ein Album für ein großes Indie-Label aufnimmt, vertraut ihm offensichtlich. Auch das frühere Fanzine KOMAKINO hatte Seachange in dieser Zeit im Blick.
2004: ein dichtes Jahr
In seiner Diskografie fällt 2004 auf. Neben Lay of the Land entstand das Debütalbum von Amusement Parks On Fire, das Spivey produzierte. Für Savoy Grand mischte er im selben Jahr The Lost Horizon. Mit dieser Band verbindet ihn eine längere Geschichte: Burn the Furniture (2002) und People and What They Want (2005) produzierte er ebenfalls.
Drei Bands, drei unterschiedliche Platten, ein Jahr. Für einen Produzenten, dessen Name außerhalb der Credits kaum auftaucht, ist das eine beachtliche Auslastung.

Von Every New Dead Ghost bis Kogumaza
Die Credits reichen weit zurück. 1988 produzierte er Ascension von Every New Dead Ghost, einer Band aus dem Umfeld von Goth und Indie der späten Achtziger. Mitte der Neunziger stehen Veröffentlichungen von The X-Rays in seiner Liste, die zwischen 1994 und 1996 erschienen. Danach kamen die Jahre mit Seachange und Savoy Grand.
Und dann die späte Phase. Für die Nottinghamer Band Rattle mischte er Aufnahmen, die 2014, 2016 und 2018 erschienen, 2019 folgte der Mix für Fugues von Kogumaza. Damit spannt sich seine Arbeit von den Achtzigern bis zum experimentellen Rock aus Nottingham in den 2010er-Jahren. Nottingham zieht sich als roter Faden durch die Liste, vom DJ-Abend bis zum letzten Mix.
Ein Produzent im Fanzine
Dass ein Musik-Fanzine einen Produzenten porträtiert, war auch Mitte der Nullerjahre ungewöhnlich. Das frühere Fanzine KOMAKINO führte zwischen 2006 und 2007 lange Gespräche mit Musikerinnen und Musikern wie Kimya Dawson, Architecture in Helsinki und Carsten Bohn's Bandstand. Im Frühjahr 2007 stand Mark Spivey im Fanzine in einer Reihe mit Carsten Bohn's Bandstand und Stereolab. Ein Mann vom Mischpult zwischen zwei Bandnamen: Das sagt einiges über den Blick dieses Fanzines.
In dem Text erzählte Spivey selbst zwei Geschichten: von seinem Abend als DJ im Club Rock City in Nottingham und davon, wie er sein erstes Album produzierte. Beide beruhen allein auf seiner eigenen Erinnerung, unabhängig belegt sind sie nicht. Deshalb bleiben die Einzelheiten hier draußen.
Wo man seine Arbeit heute hört
Wer seine Handschrift hören möchte, fängt mit Lay of the Land an. Die Platte ist sein sichtbarster Credit und zeigt, wie er eine Band über mehrere Veröffentlichungen begleitet hat. Danach lohnt der Sprung zu Savoy Grand und zu den frühen Aufnahmen von Amusement Parks On Fire. Die vollständige Liste seiner Credits führt Discogs, mit Rollen, Jahren und Labels. Wer die Hüllen in der Hand hat, findet seinen Namen meist auf der Rückseite, klein gedruckt, gleich neben dem Studio.
