Ausgabe Oktober 2026Musik · Kino · Alltag

Porträt

Eerie im Porträt: Gitarren, Verzerrung und zwei EPs aus dem Jahr 2008

Eerie ist keine Band im üblichen Sinn, sondern das Projekt eines Einzelnen: Eric Obo, der laut Label zwischen Göteborg und St Helier auf Jersey pendelte. Ein Freundeskreis spielte seine Songs ein. 2008 erschienen beim Netlabel Kinokoma zwei EPs voller Gitarren, Verzerrung und Harmoniegesang, eine davon mit einer Übersetzung in Tolkiens Elbensprache.

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AI Verschneiter Waldrand in der Dämmerung mit einem leeren Mikrofonständer zwischen den Bäumen (mit AI erstelltes Bild)
Mikrofonständer im Wald · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Um 2008 pflegte fast jede kleine Band ein MySpace-Profil mit Pressefotos, Tourdaten und Freundesliste. Eerie entschied sich fürs Gegenteil. Von Eric Obo, dem Kopf des Projekts, gab es nach Darstellung des früheren Fanzines KOMAKINO genau ein Foto, und das war unscharf. Er hielt sich aus dem Bild heraus und ließ die Musik reden.

Ein Projekt, keine Band

Das Label beschrieb Eerie weniger als Band und mehr als Freundeskreis, der die Vorstellung eines Einzelnen umsetzt. Der Einzelne ist Eric Obo, bei Discogs als Eric Öbo geführt. Laut Label verteilte er seine Zeit auf Göteborg in Schweden und St Helier auf der Kanalinsel Jersey. Die Mitspieler auf den Platten haben schwedische Namen: Martin Adlerborn spielt Bass, Carl-Oskar Persson Schlagzeug, und auf der zweiten EP kommen Gäste an Mandoline, Akkordeon, Geige und Orgel dazu.

Wichtig ist das auch deshalb, weil Eerie gern falsch einsortiert wird. Weil die Platten bei einem deutschen Label erschienen, liegt der Schluss nahe, es handle sich um eine deutsche Band. Das stimmt nicht.

Eerie EP

Die erste EP kam am 31. März 2008 heraus, Katalognummer koma 18. Vier Stücke:

  • „Daybreakers“
  • „In the Twinkle of an Eye“
  • „Starting Point“
  • „Election Man“

Produziert haben Eerie selbst und Niklas Ottosson. Das Label beschrieb den Klang mit wenigen Zutaten: Gitarren, Verzerrung, Harmoniegesang und eine Slide-Gitarre, gespielt von Sarah Peacock. Wer an verhangene Gitarrenwände denkt, wie man sie aus dem Shoegaze kennt, liegt mit dieser Beschreibung nicht falsch, auch wenn das Label das Etikett selbst nicht benutzte.

AI Hafenkräne in einem skandinavischen Hafen in nebliger Dämmerung über stillem Wasser (mit AI erstelltes Bild)
Hafenkräne im Nebel · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

May in Winter

Schon im September folgte die zweite EP. May in Winter erschien am 15. September 2008 als koma 19, wieder mit vier Titeln: „The Arrow“, „This Has Never Been“, „Downfall“ und „Starting Point II“. Der letzte Titel greift das Stück der ersten EP wieder auf, zumindest dem Namen nach.

Die Credits erzählen zwei kleine Geschichten. Aufgenommen wurde in einem kleinen Raum einer alten Fabrik. Und unter den Mitwirkenden steht ein gewisser „Findegil“, zuständig für eine Übersetzung ins Quenya. Quenya ist eine der Elbensprachen, die J. R. R. Tolkien für seine Mittelerde-Bücher entwickelt hat. Welche Zeile genau übersetzt wurde, verraten die Credits nicht. Dass eine Netlabel-EP aus Schweden eine Tolkien-Übersetzung im Kleingedruckten führt, ist trotzdem ein Detail, das man nicht vergisst.

Ein Schwede auf einem deutschen Netlabel

Kinokoma war ein kleines Netlabel, das mit dem früheren Fanzine KOMAKINO verbunden war und seine Veröffentlichungen kostenlos zum Herunterladen anbot, samt Artwork. Mehrere Acts im Katalog kamen aus Hamburg und München, darunter The Voltarenes und Miss Alaska. Eerie war der Ausreißer mit Wohnsitz im Norden und auf einer Insel im Ärmelkanal.

Für ein Projekt, das sich der eigenen Vermarktung verweigerte, passte das Modell. Wer seine Musik verschenkt, braucht kein Gesicht auf dem Cover und keine Pressetour. Die Lieder mussten nur jemanden finden, der sie anklickt. Die beiden EPs folgen in der Katalogliste direkt aufeinander. Kurz davor steht die letzte digitale Single der Voltarenes, kurz danach die erste EP von Miss Alaska.

Was danach kam

Danach wurde es still. Eine dritte Veröffentlichung ist nirgends dokumentiert. Eerie bleibt damit ein Projekt aus einem einzigen Jahr, mit acht Stücken auf zwei EPs.

Wer heute einsteigen will, beginnt mit „Daybreakers“, dem ersten Titel der ersten EP, und hört danach May in Winter am Stück. Die Credits beider Platten, mit allen Mitspielern und Gästen, sind bei Discogs erfasst. Weitere Porträts aus demselben Katalog und darüber hinaus stehen im Bereich Musik. Den Namen Findegil wird man dort allerdings nicht wiederfinden.

Häufige Fragen

Ist Eerie eine deutsche Band?

Nein. Eerie veröffentlichte zwar beim deutschen Netlabel Kinokoma, ist aber das Projekt von Eric Obo, den das Label zwischen Göteborg in Schweden und St Helier auf Jersey verortet. Auch die Mitspieler in den Credits tragen schwedische Namen. Mit einer deutschen Stadt hat das Projekt nach allen vorliegenden Quellen nichts zu tun, nur das Label saß in Deutschland.

Welche Songs hat Eerie veröffentlicht?

Insgesamt acht Stücke auf zwei EPs. Die Eerie EP vom März 2008 enthält Daybreakers, In the Twinkle of an Eye, Starting Point und Election Man. Auf May in Winter vom September 2008 folgen The Arrow, This Has Never Been, Downfall und Starting Point II. Weitere Veröffentlichungen sind nicht bekannt. Beide EPs erschienen als kostenlose Downloads mit Artwork.

Wer steckt hinter Eerie?

Eric Obo, bei Discogs als Eric Öbo geführt. Laut Label verteilte er seine Zeit auf Göteborg und St Helier auf Jersey. Auf den Platten spielen Martin Adlerborn Bass und Carl-Oskar Persson Schlagzeug, dazu Gäste auf der zweiten EP.

Was hat Eerie mit Tolkien zu tun?

In den Credits der EP „May in Winter“ steht ein gewisser „Findegil“, zuständig für eine Übersetzung ins Quenya, eine der Elbensprachen aus Tolkiens Mittelerde. Welche Zeile übersetzt wurde, verraten die Credits nicht.