Um 2008 pflegte fast jede kleine Band ein MySpace-Profil mit Pressefotos, Tourdaten und Freundesliste. Eerie entschied sich fürs Gegenteil. Von Eric Obo, dem Kopf des Projekts, gab es nach Darstellung des früheren Fanzines KOMAKINO genau ein Foto, und das war unscharf. Er hielt sich aus dem Bild heraus und ließ die Musik reden.
Ein Projekt, keine Band
Das Label beschrieb Eerie weniger als Band und mehr als Freundeskreis, der die Vorstellung eines Einzelnen umsetzt. Der Einzelne ist Eric Obo, bei Discogs als Eric Öbo geführt. Laut Label verteilte er seine Zeit auf Göteborg in Schweden und St Helier auf der Kanalinsel Jersey. Die Mitspieler auf den Platten haben schwedische Namen: Martin Adlerborn spielt Bass, Carl-Oskar Persson Schlagzeug, und auf der zweiten EP kommen Gäste an Mandoline, Akkordeon, Geige und Orgel dazu.
Wichtig ist das auch deshalb, weil Eerie gern falsch einsortiert wird. Weil die Platten bei einem deutschen Label erschienen, liegt der Schluss nahe, es handle sich um eine deutsche Band. Das stimmt nicht.
Eerie EP
Die erste EP kam am 31. März 2008 heraus, Katalognummer koma 18. Vier Stücke:
- „Daybreakers“
- „In the Twinkle of an Eye“
- „Starting Point“
- „Election Man“
Produziert haben Eerie selbst und Niklas Ottosson. Das Label beschrieb den Klang mit wenigen Zutaten: Gitarren, Verzerrung, Harmoniegesang und eine Slide-Gitarre, gespielt von Sarah Peacock. Wer an verhangene Gitarrenwände denkt, wie man sie aus dem Shoegaze kennt, liegt mit dieser Beschreibung nicht falsch, auch wenn das Label das Etikett selbst nicht benutzte.

May in Winter
Schon im September folgte die zweite EP. May in Winter erschien am 15. September 2008 als koma 19, wieder mit vier Titeln: „The Arrow“, „This Has Never Been“, „Downfall“ und „Starting Point II“. Der letzte Titel greift das Stück der ersten EP wieder auf, zumindest dem Namen nach.
Die Credits erzählen zwei kleine Geschichten. Aufgenommen wurde in einem kleinen Raum einer alten Fabrik. Und unter den Mitwirkenden steht ein gewisser „Findegil“, zuständig für eine Übersetzung ins Quenya. Quenya ist eine der Elbensprachen, die J. R. R. Tolkien für seine Mittelerde-Bücher entwickelt hat. Welche Zeile genau übersetzt wurde, verraten die Credits nicht. Dass eine Netlabel-EP aus Schweden eine Tolkien-Übersetzung im Kleingedruckten führt, ist trotzdem ein Detail, das man nicht vergisst.
Ein Schwede auf einem deutschen Netlabel
Kinokoma war ein kleines Netlabel, das mit dem früheren Fanzine KOMAKINO verbunden war und seine Veröffentlichungen kostenlos zum Herunterladen anbot, samt Artwork. Mehrere Acts im Katalog kamen aus Hamburg und München, darunter The Voltarenes und Miss Alaska. Eerie war der Ausreißer mit Wohnsitz im Norden und auf einer Insel im Ärmelkanal.
Für ein Projekt, das sich der eigenen Vermarktung verweigerte, passte das Modell. Wer seine Musik verschenkt, braucht kein Gesicht auf dem Cover und keine Pressetour. Die Lieder mussten nur jemanden finden, der sie anklickt. Die beiden EPs folgen in der Katalogliste direkt aufeinander. Kurz davor steht die letzte digitale Single der Voltarenes, kurz danach die erste EP von Miss Alaska.
Was danach kam
Danach wurde es still. Eine dritte Veröffentlichung ist nirgends dokumentiert. Eerie bleibt damit ein Projekt aus einem einzigen Jahr, mit acht Stücken auf zwei EPs.
Wer heute einsteigen will, beginnt mit „Daybreakers“, dem ersten Titel der ersten EP, und hört danach May in Winter am Stück. Die Credits beider Platten, mit allen Mitspielern und Gästen, sind bei Discogs erfasst. Weitere Porträts aus demselben Katalog und darüber hinaus stehen im Bereich Musik. Den Namen Findegil wird man dort allerdings nicht wiederfinden.
