Der Film
„Juno“ ist der zweite Spielfilm von Jason Reitman, das Drehbuch schrieb Diablo Cody. Elliot Page spielt Juno MacGuff, eine Schülerin aus Elk River in Minnesota, die von ihrem Freund Paulie Bleeker schwanger wird und beschließt, das Kind an ein kinderloses Paar abzugeben. Michael Cera spielt Paulie, Jennifer Garner und Jason Bateman das Paar, Allison Janney und J. K. Simmons Junos Stiefmutter und Vater. Gedreht wurde in Vancouver.
Der Film hatte am 8. September 2007 beim Filmfestival in Toronto Premiere. Gekostet hatte er je nach Angabe 6,5 bis 7,5 Millionen Dollar, weltweit spielte er rund 232 Millionen ein. Bei den Oscars war er viermal nominiert, unter anderem als bester Film, und Diablo Cody gewann den Preis für das beste Originaldrehbuch.
Wie die Musik in den Film kam
Die Geschichte beginnt bei der Hauptdarstellerin. Elliot Page schlug Reitman die Moldy Peaches als Musik vor, die zu Juno passen würde, und spielte ihm die Songs auf seinem Computer vor. Reitman hat erzählt, dass er sich sofort in diese Musik verliebte.
Daraus wurde mehr als ein einzelner Song. Kimya Dawson, die mit Adam Green die Moldy Peaches gegründet hatte, steuerte Lieder aus ihrer Solokarriere und aus ihren Bands bei und half bei der Auswahl weiterer Titel. Mateo Messina schrieb die eigentliche Filmmusik und baute sie auf ihren Liedern auf. So klingt der ganze Film, als hätte Juno ihn selbst zusammengestellt: kleine Gitarrenlieder, schiefe Harmonien, dazu Platten, die ein Teenager mit Geschmack aus der Sammlung seiner Eltern ziehen würde. Wer mehr über die Musikerin wissen will, findet ein ausführliches Porträt von Kimya Dawson in der Musikrubrik.
Alle Songs des Juno Soundtracks
Das Album erschien am 11. Dezember 2007 bei Rhino. Es enthält 19 Titel:
- Barry Louis Polisar – „All I Want Is You“
- Kimya Dawson – „My Rollercoaster“
- The Kinks – „A Well Respected Man“
- Buddy Holly – „(Ummm, Oh Yeah) Dearest“
- Mateo Messina – „Up the Spout“
- Kimya Dawson – „Tire Swing“
- Belle & Sebastian – „Piazza, New York Catcher“
- Kimya Dawson – „Loose Lips“
- Sonic Youth – „Superstar“
- Kimya Dawson – „Sleep“
- Belle & Sebastian – „Expectations“
- Mott the Hoople – „All the Young Dudes“
- Kimya Dawson – „So Nice So Smart“
- Cat Power – „Sea of Love“
- Kimya Dawson und Antsy Pants – „Tree Hugger“
- The Velvet Underground – „I'm Sticking with You“
- The Moldy Peaches – „Anyone Else but You“
- Antsy Pants – „Vampire“
- Michael Cera und Elliot Page – „Anyone Else but You“
Die Mischung ist ungewöhnlich. Neben Kimya Dawson stehen schottischer Indie-Pop von Belle & Sebastian, eine Carpenters-Nummer in der Fassung von Sonic Youth, ein Kinderlied von Barry Louis Polisar zum Vorspann und Klassiker der 60er und frühen 70er. „I'm Sticking with You“ von The Velvet Underground singt Schlagzeugerin Maureen Tucker im Duett mit Lou Reed, und das Lied passt zum Film fast zu gut.

Kimya Dawson und die Moldy Peaches
Acht der 19 Titel gehen auf Kimya Dawson zurück: fünf Solosongs, zwei Stücke der Band Antsy Pants und das Moldy-Peaches-Lied „Anyone Else but You“ aus dem Jahr 2001. Ihre Soloalben waren zuvor auf kleinen Labels erschienen, auf Rough Trade und auf K Records aus Olympia.
Das frühere Fanzine KOMAKINO hatte Kimya Dawson Mitte der 2000er in München interviewt, lange bevor ihr Name auf einem Nummer-eins-Album stand. Damals galt sie als Figur der New Yorker Anti-Folk-Szene, bekannt vor allem Menschen, die The Moldy Peaches kannten.
Warum der Soundtrack so erfolgreich war
In seiner dritten Woche als physisch verkauftes Album erreichte der Juno Soundtrack Platz 1 der Billboard 200. Es war der erste Soundtrack an der Spitze der Charts seit dem Album zu „High School Musical 2“ im September 2007. Die Duettversion von „Anyone Else but You“ mit Cera und Page kam in die Billboard Hot 100. Bei den Grammys 2009 gewann das Album den Preis für den besten Compilation-Soundtrack. Im Frühjahr 2008 folgte ein zweites Album mit weiteren Liedern, „Juno B-Sides: Almost Adopted Songs“.
Ein Grund für den Erfolg lag im Film selbst: „Juno“ wurde vom kleinen Festivalfilm zum Kassenerfolg, und mit ihm wuchs das Publikum für die Musik. Ein anderer lag in der Musik. Diese Lieder klingen nicht nach Studio, sondern nach einem Menschen mit Gitarre, und das passte zu einer Hauptfigur, die selbst nicht in ihre Umgebung passt. Wie Songauswahl das Bild einer ganzen Serie bestimmen kann, zeigt der Artikel über Serien-Soundtracks, etwa bei „The O.C.“, die ungefähr zur selben Zeit Indie-Bands einem großen Publikum vorstellte.
