Ausgabe Oktober 2026Musik · Kino · Alltag

Porträt

Kimya Dawson im Porträt: Songs, Juno-Soundtrack und Moldy Peaches

Fünf ihrer Lieder liefen 2007 in einem Film über eine schwangere Teenagerin, und plötzlich stand eine Lo-Fi-Songwriterin aus dem Staat New York an der Spitze der US-Albumcharts. Kimya Dawsons Songs klingen trotzdem bis heute so, als wären sie am Küchentisch entstanden. Ein Porträt von den Moldy Peaches bis zum Album von 2026.

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AI Abgenutzte Akustikgitarre und Ukulele an einem Secondhand-Sessel in einem gemütlichen Wohnzimmer (mit AI erstelltes Bild)
Gitarre und Ukulele am Sessel · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Wenige Wochen nach seinem Erscheinen stand ein Album auf Platz eins der Billboard 200, auf dem eine Frau mit Akustikgitarre über Schaukeln aus Autoreifen und lose Lippen sang. Das war ungewöhnlich, denn die Lieder klangen nach Schlafzimmer, nach einem Mikrofon und einer einzigen Aufnahme. Kimya Dawson hatte für diesen Erfolg nichts an ihrer Arbeitsweise geändert. Der Film Juno war zu ihr gekommen, nicht umgekehrt.

Wer Kimya Dawson ist

Kimya Dawson wurde 1972 geboren, laut Wikipedia in Bedford Hills im Bundesstaat New York. Sie gehört zur Anti-Folk-Szene, einer Strömung, die sich gegen die polierte Singer-Songwriter-Tradition stellte. Ihre Stücke sind kurz, oft komisch, manchmal schmerzhaft offen, und sie verzichten bewusst auf Studioglanz. Ihre Platten erschienen bei Rough Trade und K Records, dem kleinen Label aus Olympia im Bundesstaat Washington.

Die Moldy Peaches und Mount Kisco

Angefangen hat alles in einem Plattenladen. In Exile on Main Street Records in Mount Kisco, einem Ort nördlich von New York City, lernte Dawson Adam Green kennen. Gemeinsam gründeten sie die Moldy Peaches, erste Aufnahmen entstanden zwischen 1994 und 1996. Das Debüt The Moldy Peaches kam am 11. September 2001 bei Rough Trade heraus,

Ihr bekanntestes Lied ist ein kleines Liebesduett: „Anyone Else but You“. 2004 legte das Duo eine Pause ein, und Dawson konzentrierte sich auf ihre Soloplatten.

Juno: wie der Soundtrack Kimya Dawson bekannt machte

Jason Reitmans Film Juno lief 2007 an, das Drehbuch stammte von Diablo Cody. Dass der Juno Soundtrack Kimya Dawsons Handschrift trägt, hat zwei Gründe: Dawson half bei der Auswahl der Songs, und der Komponist Mateo Messina baute seine Filmmusik auf ihrem Stil auf. Fünf ihrer Solo-Songs sind auf dem Album, dazu zwei Stücke von Antsy Pants und eines der Moldy Peaches.

Rhino brachte die Platte am 11. Dezember 2007 heraus. In der dritten Woche des physischen Verkaufs erreichte sie Platz eins der Billboard 200, und bei den Grammys 2009 gewann sie den Preis für das beste Compilation-Soundtrack-Album. Die Version von „Anyone Else but You“, die Michael Cera und Elliot Page im Film singen, kam sogar in die Billboard Hot 100.

Die Gesellschaft auf der Platte ist bemerkenswert. Eröffnet wird sie von Barry Louis Polisar mit „All I Want Is You“, danach folgen The Kinks mit „A Well Respected Man“, Buddy Holly, Mott the Hoople mit „All the Young Dudes“, The Velvet Underground, Cat Power mit „Sea of Love“, zweimal Belle & Sebastian und Sonic Youth mit ihrer Version von „Superstar“. Zwischen diesen Namen fallen Dawsons Lieder nicht ab. Sie fallen auf, weil sie so wenig nach Studio klingen.

Wie sehr der Juno Soundtrack Kimya Dawson verändert hat, lässt sich schwer messen. Ihre Musik hat er jedenfalls nicht verändert. Die Platten danach klingen genauso selbstgemacht wie die davor. Mehr über den Film und die übrigen Lieder steht in der Geschichte zum Juno Soundtrack.

AI Holzhocker und Akustikgitarre unter einem Spotlicht auf der winzigen Bühne eines leeren Cafés (mit AI erstelltes Bild)
Kleine Bühne im Café · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Kimya Dawsons Songs: wo man anfängt

Kimya Dawsons Songs funktionieren am besten im Albumzusammenhang, weil sie aufeinander antworten. Der leichteste Einstieg ist Remember That I Love You (K Records, 2006). Dort stehen „Tire Swing“, „Loose Lips“ und „My Rollercoaster“, die später alle in Juno liefen, dazu „My Mom“ und „I Like Giants“. Wer die Lieder aus dem Film kennt, hört hier, woher sie kommen.

Danach lohnt der Schritt zurück zu Hidden Vagenda (2004) und der Schritt nach vorn zu Thunder Thighs (2011), auf dem Gäste wie Aesop Rock und John Darnielle von The Mountain Goats mitspielen. Eine Sonderstellung hat Alphabutt (K Records, 2008): ein Kinderalbum, das trotzdem nicht nach Kinderzimmer-Pädagogik klingt.

Die Alben im Überblick

  • The Moldy Peaches mit Adam Green (Rough Trade, 2001)
  • I'm Sorry That Sometimes I'm Mean (Rough Trade, 2002), das erste Soloalbum
  • Hidden Vagenda (K Records, 2004)
  • Remember That I Love You (K Records, 2006)
  • Alphabutt (K Records, 2008)
  • Thunder Thighs (Great Crap Factory, 2011)
  • Hokey Fright als The Uncluded mit Aesop Rock (Rhymesayers, 2013)
  • Hell Is in Pittsburgh Tonight mit Adam Kirkup (Mahogany Songs, April 2026)
AI Selbstgemachtes Tourtagebuch mit gepressten Blumen, Zugticket ohne Schrift und Mundharmonika auf einer Steppdecke (mit AI erstelltes Bild)
Tourtagebuch · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Zusammenarbeit von They Might Be Giants bis Aesop Rock

Dawson arbeitet gern mit anderen. Sie hat mit They Might Be Giants, The Mountain Goats und Regina Spektor Musik gemacht, mit Third Eye Blind sang sie das Duett „Self-Righteous“ auf deren Album Out of the Vein. Die engste Verbindung entstand mit dem Rapper Aesop Rock: Als The Uncluded veröffentlichten die beiden 2013 bei Rhymesayers das Album Hokey Fright. Dass eine Anti-Folk-Musikerin und ein Underground-Rapper so gut zusammenpassen, überrascht nur auf dem Papier. Beide schreiben dichte, sehr persönliche Texte mit vielen Bildern. Wer nach dieser Platte weiterhören will, findet bei Miss Alaska aus Hamburg eine Songwriterin, die Regina Spektor zu ihren Einflüssen zählt.

Tour und Gegenwart

Seit die Moldy Peaches 2004 pausieren, ist Dawson laut Wikipedia viel durch Nordamerika und Europa getourt. Eine Kimya Dawson Tour führte Mitte der 2000er-Jahre auch nach München, wo das frühere Fanzine KOMAKINO sie im Atomic Café traf, ungefähr zu der Zeit ihres ersten im Studio aufgenommenen Albums. Für eine aktuelle Kimya Dawson Tour sind ihre eigenen Kanäle und die Seiten der Veranstalter die verlässlichste Quelle, denn Termine ändern sich schnell. Ganz neu ist die Zusammenarbeit mit Adam Kirkup: Hell Is in Pittsburgh Tonight erschien im April 2026.

Häufige Fragen

Wer ist Kimya Dawson?

Kimya Dawson ist eine US-amerikanische Songwriterin, geboren 1972 in Bedford Hills im Bundesstaat New York. Bekannt wurde sie mit den Moldy Peaches, die sie mit Adam Green gründete. Seit 2002 veröffentlicht sie Soloalben, zunächst bei Rough Trade, später vor allem bei K Records. Ihre Musik wird dem Anti-Folk und Folk-Punk zugeordnet: kurze, sehr direkte Lieder, meist nur mit Gitarre und Stimme.

Welche Songs von Kimya Dawson sind im Juno-Soundtrack?

Von ihr solo stammen „My Rollercoaster“, „Tire Swing“, „Loose Lips“, „Sleep“ und „So Nice So Smart“. Mit Antsy Pants ist sie auf „Tree Hugger“ zu hören, dazu kommt „Vampire“ von Antsy Pants. Die Moldy Peaches steuern „Anyone Else but You“ bei, und am Ende der Platte singen Michael Cera und Elliot Page denselben Song noch einmal. Insgesamt hat das Album 19 Stücke.

Was sind die Moldy Peaches?

Die Moldy Peaches sind das Anti-Folk-Duo von Kimya Dawson und Adam Green. Die beiden lernten sich im Plattenladen Exile on Main Street Records in Mount Kisco kennen, erste Aufnahmen entstanden zwischen 1994 und 1996. Ihr Album The Moldy Peaches erschien am 11. September 2001 bei Rough Trade. Seit 2004 pausiert das Duo; der Song „Anyone Else but You“ wurde durch Juno ein spätes Erfolgsstück.

Mit welchem Album von Kimya Dawson fängt man am besten an?

Mit Remember That I Love You von 2006. Dort stehen „Tire Swing“, „Loose Lips“ und „My Rollercoaster“, also drei der Songs, die ein Jahr später in Juno liefen, dazu Stücke wie „My Mom“ und „I Like Giants“. Wer danach mehr will, hört Hidden Vagenda von 2004 und dann Thunder Thighs von 2011 mit Gästen wie Aesop Rock und John Darnielle.

Hat Kimya Dawson den Soundtrack zu Juno geschrieben?

Nicht im Ganzen. Der Soundtrack ist eine Zusammenstellung mit Songs von Kimya Dawson, den Moldy Peaches und Bands wie Belle & Sebastian, Sonic Youth oder The Kinks. Dawson hat bei der Auswahl der Lieder geholfen. Die Filmmusik selbst, also die instrumentale Begleitung zwischen den Songs, komponierte Mateo Messina, der sich dabei an ihrer Musik orientierte.