Die Credits der Pink Noise E.P. enden mit einer Ortsangabe, die man selten so offen liest: aufgenommen 2008 und 2009 im Schlafzimmer der Monsters, Hamburg. Mehr Studio gab es nicht, und mehr brauchte es auch nicht.
Ein Mann, viele Geräte
The Walkie Talkie Monsters sind ein Soloprojekt. Mawe N. Klave macht hier alles selbst: Musik, Texte, Synthesizer, Drumcomputer, Bass, Gesang. Dazu kommen zwei Instrumente, die man auf Indie-Platten selten zusammen findet, ein Theremin und ein Stylophone.
Das Theremin wird ohne Berührung gespielt, die Hände bewegen sich in der Luft zwischen zwei Antennen, und der Ton gleitet entsprechend unruhig. Das Stylophone ist das Gegenteil, ein Taschengerät mit Metallstift, das surrt statt singt. Zusammen ergeben sie eine Werkzeugkiste, die eher an Bastelkeller als an Tonstudio denkt. Laut Label existierte das Projekt schon seit 2003, also lange bevor die erste Veröffentlichung erschien.
Pink Noise E.P.
Am 18. März 2009 erschien die EP beim Netlabel Kinokoma unter der Nummer koma 23. Fünf Stücke:
- „Picture Discs & Gatefold Sleeves“
- „Cold Robot Heart“
- „It Will End in Tears“
- „When I Think of You“
- „Goth Is a 4-Letter Word“
Gemischt hat Mawe N. Klave zusammen mit Martin Glos, der auch das Mastering übernahm. Glos taucht im Umfeld dieses Labels immer wieder auf, bei Mikrofisch ebenso wie bei den Voltarenes.
Die Titel lesen sich wie Notizen eines Plattensammlers. „Picture Discs & Gatefold Sleeves“ besingt zwei Dinge, die es bei einem kostenlosen MP3-Release gerade nicht gibt: Bildplatten und Klapphüllen. „Goth Is a 4-Letter Word“ bekommt einen zweiten Boden, wenn man die Label-Biografie kennt. Dort heißt es mit einem Augenzwinkern, Klave habe früher gleichzeitig in einer Indie-Rock-Band und in einer Goth-Band gespielt.

Half Japanese, Half Man Half Biscuit
Als Lieblingsbands nannte er Half Japanese und Half Man Half Biscuit. Die eine kommt aus dem amerikanischen Underground, die andere aus Birkenhead in England, und beide stehen eher für schräge Texte als für glatten Sound. Das erklärt einiges. Bei The Walkie Talkie Monsters zählt die Idee mehr als die Politur, und die Songtitel tragen oft schon die halbe Pointe.
Die Biografie spielte selbst mit dieser Halbierung. Klave sei halb Mikrofisch und halb Voltarenes, hieß es dort. Als Rechnung stimmt das nicht ganz, als Beschreibung schon.
Die Kinokoma-Szene
Von außen wirkt der Katalog von Kinokoma wie eine Reihe verschiedener Bands. Von innen betrachtet ist er dichter gewebt. Mawe N. Klave war Teil des Duos Mikrofisch, Teil der Band The Voltarenes und alleiniges Mitglied der Walkie Talkie Monsters. Alle drei veröffentlichten beim selben Netlabel, das mit dem früheren Fanzine KOMAKINO verbunden war und seine Musik kostenlos samt Artwork verschenkte.
Für ein Soloprojekt hatte diese Nähe einen praktischen Vorteil. Es brauchte keinen Vertrag und keine Pressung, nur fertige Songs und einen Platz im Katalog. Die Pink Noise E.P. erschien zwischen dem Tribute-Album für Mikrofisch (2008) und dem Voltarenes-Album Proceedings (2009). Neben den drei Klave-Projekten standen im Katalog unter anderem Miss Alaska und Eerie.
Eine Single für Teenage Fanclub
Die zweite und bislang letzte bekannte Veröffentlichung kam spät. Play It Cool and Dance to Teenage Fanclub erschien am 11. Juli 2012 als koma 35, also als vorletzte Nummer des Labels. Zwei Stücke, aufgenommen schon 2007, gemischt erst fünf Jahre danach. Der Titel verbeugt sich vor der schottischen Gitarrenpop-Band.
Weitere Aufnahmen, Konzerte oder Presseberichte zu The Walkie Talkie Monsters sind nicht dokumentiert. Die beiden Veröffentlichungen führt Discogs mit allen Credits.
