Ausgabe Oktober 2026Musik · Kino · Alltag

Porträt

The Walkie Talkie Monsters: ein Ein-Mann-Projekt aus Hamburg

Hinter The Walkie Talkie Monsters steckt eine einzige Person: Mawe N. Klave, bekannt aus Mikrofisch und The Voltarenes. Im Hamburger Schlafzimmer entstand mit Theremin, Stylophone und Drumcomputer die Pink Noise E.P., die 2009 beim Netlabel Kinokoma erschien. Ein kleines Projekt mit großen Songtiteln.

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AI Zwei alte Walkie-Talkies auf schwarzem Samt neben einer rosa Kassette im Seitenlicht (mit AI erstelltes Bild)
Walkie-Talkies auf Samt · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Die Credits der Pink Noise E.P. enden mit einer Ortsangabe, die man selten so offen liest: aufgenommen 2008 und 2009 im Schlafzimmer der Monsters, Hamburg. Mehr Studio gab es nicht, und mehr brauchte es auch nicht.

Ein Mann, viele Geräte

The Walkie Talkie Monsters sind ein Soloprojekt. Mawe N. Klave macht hier alles selbst: Musik, Texte, Synthesizer, Drumcomputer, Bass, Gesang. Dazu kommen zwei Instrumente, die man auf Indie-Platten selten zusammen findet, ein Theremin und ein Stylophone.

Das Theremin wird ohne Berührung gespielt, die Hände bewegen sich in der Luft zwischen zwei Antennen, und der Ton gleitet entsprechend unruhig. Das Stylophone ist das Gegenteil, ein Taschengerät mit Metallstift, das surrt statt singt. Zusammen ergeben sie eine Werkzeugkiste, die eher an Bastelkeller als an Tonstudio denkt. Laut Label existierte das Projekt schon seit 2003, also lange bevor die erste Veröffentlichung erschien.

Pink Noise E.P.

Am 18. März 2009 erschien die EP beim Netlabel Kinokoma unter der Nummer koma 23. Fünf Stücke:

  • „Picture Discs & Gatefold Sleeves“
  • „Cold Robot Heart“
  • „It Will End in Tears“
  • „When I Think of You“
  • „Goth Is a 4-Letter Word“

Gemischt hat Mawe N. Klave zusammen mit Martin Glos, der auch das Mastering übernahm. Glos taucht im Umfeld dieses Labels immer wieder auf, bei Mikrofisch ebenso wie bei den Voltarenes.

Die Titel lesen sich wie Notizen eines Plattensammlers. „Picture Discs & Gatefold Sleeves“ besingt zwei Dinge, die es bei einem kostenlosen MP3-Release gerade nicht gibt: Bildplatten und Klapphüllen. „Goth Is a 4-Letter Word“ bekommt einen zweiten Boden, wenn man die Label-Biografie kennt. Dort heißt es mit einem Augenzwinkern, Klave habe früher gleichzeitig in einer Indie-Rock-Band und in einer Goth-Band gespielt.

AI Drei gestrickte Plüschmonster mit Knopfaugen neben einer rosa Kassette auf einem dunklen Regal im rosa Neonlicht (mit AI erstelltes Bild)
Plüschmonster im Neonlicht · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Half Japanese, Half Man Half Biscuit

Als Lieblingsbands nannte er Half Japanese und Half Man Half Biscuit. Die eine kommt aus dem amerikanischen Underground, die andere aus Birkenhead in England, und beide stehen eher für schräge Texte als für glatten Sound. Das erklärt einiges. Bei The Walkie Talkie Monsters zählt die Idee mehr als die Politur, und die Songtitel tragen oft schon die halbe Pointe.

Die Biografie spielte selbst mit dieser Halbierung. Klave sei halb Mikrofisch und halb Voltarenes, hieß es dort. Als Rechnung stimmt das nicht ganz, als Beschreibung schon.

Die Kinokoma-Szene

Von außen wirkt der Katalog von Kinokoma wie eine Reihe verschiedener Bands. Von innen betrachtet ist er dichter gewebt. Mawe N. Klave war Teil des Duos Mikrofisch, Teil der Band The Voltarenes und alleiniges Mitglied der Walkie Talkie Monsters. Alle drei veröffentlichten beim selben Netlabel, das mit dem früheren Fanzine KOMAKINO verbunden war und seine Musik kostenlos samt Artwork verschenkte.

Für ein Soloprojekt hatte diese Nähe einen praktischen Vorteil. Es brauchte keinen Vertrag und keine Pressung, nur fertige Songs und einen Platz im Katalog. Die Pink Noise E.P. erschien zwischen dem Tribute-Album für Mikrofisch (2008) und dem Voltarenes-Album Proceedings (2009). Neben den drei Klave-Projekten standen im Katalog unter anderem Miss Alaska und Eerie.

Eine Single für Teenage Fanclub

Die zweite und bislang letzte bekannte Veröffentlichung kam spät. Play It Cool and Dance to Teenage Fanclub erschien am 11. Juli 2012 als koma 35, also als vorletzte Nummer des Labels. Zwei Stücke, aufgenommen schon 2007, gemischt erst fünf Jahre danach. Der Titel verbeugt sich vor der schottischen Gitarrenpop-Band.

Weitere Aufnahmen, Konzerte oder Presseberichte zu The Walkie Talkie Monsters sind nicht dokumentiert. Die beiden Veröffentlichungen führt Discogs mit allen Credits.

Häufige Fragen

Wer spielt bei The Walkie Talkie Monsters?

Nur Mawe N. Klave. Auf der Pink Noise E.P. ist er für Musik, Texte, Synthesizer, Drumcomputer, Bass, Theremin, Stylophone und Gesang angegeben. Er spielte außerdem im Duo Mikrofisch und bei The Voltarenes. Die Label-Biografie beschrieb ihn deshalb augenzwinkernd als halb Mikrofisch und halb Voltarenes. Beim Mischen und Mastern half Martin Glos.

Was ist ein Stylophone?

Ein kleines elektronisches Instrument aus den späten Sechzigern, das mit einem Metallstift auf einer Metalltastatur gespielt wird. David Bowie setzte es 1969 auf Space Oddity ein. Der Klang ist dünn und surrend, eher Spielzeug als Synthesizer, und gerade deshalb bei Bastlern und Bedroom-Pop-Projekten beliebt. Auf der Pink Noise E.P. steht es neben einem Theremin in der Geräteliste.

Welche Veröffentlichungen gibt es von The Walkie Talkie Monsters?

Zwei sind bekannt, beide beim Netlabel Kinokoma: die Pink Noise E.P. vom 18. März 2009 (koma 23) mit fünf Stücken und die Single „Play It Cool and Dance to Teenage Fanclub“ vom 11. Juli 2012 (koma 35).

Welche Bands haben The Walkie Talkie Monsters beeinflusst?

Als Lieblingsbands nannte Mawe N. Klave Half Japanese aus dem amerikanischen Underground und Half Man Half Biscuit aus Birkenhead. Beide stehen eher für schräge Texte als für glatten Sound, und das hört man auch bei seinem Soloprojekt.