Ausgabe Oktober 2026Musik · Kino · Alltag

Porträt

Mikrofisch im Porträt: das Duo hinter Masters of the Universe

Mikrofisch begannen 2001 in Köln als Duo, das eigentlich The Smiths nachspielen wollte. Daraus wurden Casio-Pop, Drumcomputer und Songtitel wie kleine Parolen. Mit Masters of the Universe veröffentlichten Silvi Wersi und Mawe N. Klave 2007 ein Album zum kostenlosen Herunterladen, lange bevor das üblich war.

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AI Alter Drumcomputer und billiges Keyboard auf einem Küchentisch neben einer Tasse Tee (mit AI erstelltes Bild)
Aufnahme am Küchentisch · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Am Anfang stand ein Plan, der nicht aufging. Als sich Mikrofisch 2001 in Köln zusammenfanden, wollten die beiden Mitglieder Songs von The Smiths covern. Auf den ersten Aufnahmen landeten dann vier eigene Stücke und genau ein Cover, allerdings nicht von der Band, sondern von Morrissey solo: „Everyday Is Like Sunday“. Die Liebe zum britischen Indie-Pop blieb, das Nachspielen wurde zur Nebensache.

Köln, München, Hamburg, London

Mikrofisch sind ein Duo: Silvi Wersi und Mawe N. Klave, beides Künstlernamen. Lange blieben die zwei nicht in derselben Stadt. Nach Köln folgte München, später verteilte sich das Duo auf Hamburg und London. Bandcamp nennt heute Hamburg als Heimat. Eine Band über zwei Länder zu betreiben, hieß vor allem: aufnehmen, wo man gerade wohnte.

Die erste Veröffentlichung trägt einen Titel, der diese Haltung vorwegnimmt. Please Excuse Our Bad English erschien 2001 als EP bei Schinderwies Productions.

Gleichstrom/Wechselstrom und die frühen Jahre

2003 war das erste produktive Jahr. Gleichstrom/Wechselstrom kam als LP bei Schinderwies Productions und als CD beim Label Keplar heraus. Im selben Jahr teilten sich Mikrofisch eine 7-Inch mit der Band UWIK. Die Split-Single Out of Swampland enthält von Mikrofisch den Song „Morning Bus“, einen Titel, den das Duo acht Jahre später noch einmal aufgreifen sollte.

Masters of the Universe

Das Album, das bis heute mit Mikrofisch verbunden wird, entstand zwischen 2004 und 2007 in Schlafzimmern und Wohnzimmern in London, Hamburg und München. Martin Glos masterte es im Oktober 2007 in Hamburg. Die Instrumentenliste liest sich wie ein Flohmarktinventar aus den frühen Achtzigern: Casiotone 301, Yamaha CS-15D, Roland CR-68, Hohner Pianet, dazu ein Theremin. Die 14 Stücke erschienen beim Netlabel Kinokoma unter der Katalognummer koma 13 als kostenloses MP3-Album.

Schon die Titel erzählen viel. „Let's Kiss and Listen to Bis“ verbeugt sich vor einer schottischen Band, „Drum Machines Will Save Mankind“ ist ein Programm in vier Wörtern, und bei „The Kids Are All Shite“ singt ein Chor aus sieben Stimmen. Den Titel des letzten Songs führt die Label-Biografie auf eine Nachtbusfahrt nach einer Indie-Party in London Ende 2006 zurück.

Im taz-Blog kürte Christian Ihle Masters of the Universe im Januar 2008 zum Album des Monats Dezember, Platz eins. Für ein Album, das niemand kaufen musste, war das eine bemerkenswerte Bühne.

AI Kleines rundes Goldfischglas auf einem Regal neben einem Spielzeugkeyboard in einem Heimstudio (mit AI erstelltes Bild)
Goldfisch im Heimstudio · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Monsters of the Universe: ein Album von anderen

Ein Jahr später kam das Echo. Monsters of the Universe erschien 2008 bei Kinokoma (koma 21), Bandcamp nennt den 15. November 2008. Es ist kein neues Mikrofisch-Album, sondern ein Tribute: Andere Acts spielen Mikrofisch-Songs nach, darunter Plaste und Elaste, Peer, Supershirt, Lattekohlertor, The Green Apple Sea und The Voltarenes. Dass eine Band sieben Jahre nach ihrer Gründung schon eine eigene Hommage bekam, sagt einiges über das Netzwerk, in dem sie sich bewegte.

Die Kinokoma-Szene

Kinokoma war ein Netlabel, das mit dem früheren Fanzine KOMAKINO verbunden war. Discogs führt Katalognummern von koma 11 (2007) bis koma 36 (2012). Jede Veröffentlichung gab es kostenlos zum Herunterladen, Artwork inklusive, als bewusste Antwort auf die Rechnung kleiner Indie-Labels, die selten aufging.

Mikrofisch waren dort keine Gastband. Mawe N. Klave spielte zugleich bei The Voltarenes, die das Tribute mit einem eigenen Beitrag bereicherten, und betrieb allein das Projekt The Walkie Talkie Monsters. Ein Mensch, drei Namen, ein Label: In den Jahren der MySpace-Profile und Musikblogs war das keine Seltenheit, aber selten so konsequent. Weitere Acts im Katalog waren unter anderem Miss Alaska und Eerie.

Spätere EPs und wo man sie findet

2010 erschien Europe 80's 90's (koma 29) mit „Mauro Farina (Pump the Subharmonics)“ und „Delusions of Decay“. Zum zehnjährigen Bestehen folgte am 5. November 2011 die Morning Bus '11 EP (koma 34), deren Titel auf den Song der Split-Single von 2003 zurückverweist. Laut eigener Biografie feierte das Duo das Jubiläum mit einem kleinen Festival in Hamburg und spielte im selben Jahr beim Exit Festival in Serbien. Unabhängig bestätigt ist das nicht.

Wer heute einsteigen will, beginnt am besten mit Masters of the Universe und hört danach das Tribute. Auf der Bandcamp-Seite des Duos stehen weitere Veröffentlichungen, allerdings ohne Datum.

Häufige Fragen

Ist Monsters of the Universe ein Album von Mikrofisch?

Nicht im engeren Sinn. Monsters of the Universe erschien 2008 bei Kinokoma und ist ein Tribute-Album: Andere Künstlerinnen und Künstler spielen darauf Songs von Mikrofisch nach, darunter Plaste und Elaste, Peer, Supershirt, Lattekohlertor, The Green Apple Sea und The Voltarenes. Discogs führt es deshalb unter Various. Das eigentliche Mikrofisch-Album aus dieser Zeit ist Masters of the Universe von 2007.

Wo kann man Mikrofisch heute hören?

Das Duo führt eine eigene Seite auf Bandcamp, auf der unter anderem das Tribute-Album Monsters of the Universe steht. Die vollständige Liste der Veröffentlichungen, von der ersten EP 2001 bis zur Morning Bus '11 EP, findet sich bei Discogs, jeweils mit Label, Katalognummer und Jahr. Die Kinokoma-Veröffentlichungen waren ursprünglich kostenlose Downloads mit Artwork.

Wer sind Mikrofisch?

Ein Duo aus Silvi Wersi und Mawe N. Klave, beides Künstlernamen. Die beiden fanden sich 2001 in Köln zusammen und lebten später in München, Hamburg und London. Bandcamp nennt heute Hamburg als Heimat.

Welches ist das bekannteste Album von Mikrofisch?

„Masters of the Universe“, entstanden zwischen 2004 und 2007 und als kostenloses MP3-Album bei Kinokoma erschienen (koma 13). Im taz-Blog wurde es im Januar 2008 zum Album des Monats Dezember gekürt.