Am Anfang stand ein Plan, der nicht aufging. Als sich Mikrofisch 2001 in Köln zusammenfanden, wollten die beiden Mitglieder Songs von The Smiths covern. Auf den ersten Aufnahmen landeten dann vier eigene Stücke und genau ein Cover, allerdings nicht von der Band, sondern von Morrissey solo: „Everyday Is Like Sunday“. Die Liebe zum britischen Indie-Pop blieb, das Nachspielen wurde zur Nebensache.
Köln, München, Hamburg, London
Mikrofisch sind ein Duo: Silvi Wersi und Mawe N. Klave, beides Künstlernamen. Lange blieben die zwei nicht in derselben Stadt. Nach Köln folgte München, später verteilte sich das Duo auf Hamburg und London. Bandcamp nennt heute Hamburg als Heimat. Eine Band über zwei Länder zu betreiben, hieß vor allem: aufnehmen, wo man gerade wohnte.
Die erste Veröffentlichung trägt einen Titel, der diese Haltung vorwegnimmt. Please Excuse Our Bad English erschien 2001 als EP bei Schinderwies Productions.
Gleichstrom/Wechselstrom und die frühen Jahre
2003 war das erste produktive Jahr. Gleichstrom/
Masters of the Universe
Das Album, das bis heute mit Mikrofisch verbunden wird, entstand zwischen 2004 und 2007 in Schlafzimmern und Wohnzimmern in London, Hamburg und München. Martin Glos masterte es im Oktober 2007 in Hamburg. Die Instrumentenliste liest sich wie ein Flohmarktinventar aus den frühen Achtzigern: Casiotone 301, Yamaha CS-15D, Roland CR-68, Hohner Pianet, dazu ein Theremin. Die 14 Stücke erschienen beim Netlabel Kinokoma unter der Katalognummer koma 13 als kostenloses MP3-Album.
Schon die Titel erzählen viel. „Let's Kiss and Listen to Bis“ verbeugt sich vor einer schottischen Band, „Drum Machines Will Save Mankind“ ist ein Programm in vier Wörtern, und bei „The Kids Are All Shite“ singt ein Chor aus sieben Stimmen. Den Titel des letzten Songs führt die Label-Biografie auf eine Nachtbusfahrt nach einer Indie-Party in London Ende 2006 zurück.
Im taz-Blog kürte Christian Ihle Masters of the Universe im Januar 2008 zum Album des Monats Dezember, Platz eins. Für ein Album, das niemand kaufen musste, war das eine bemerkenswerte Bühne.

Monsters of the Universe: ein Album von anderen
Ein Jahr später kam das Echo. Monsters of the Universe erschien 2008 bei Kinokoma (koma 21), Bandcamp nennt den 15. November 2008. Es ist kein neues Mikrofisch-Album, sondern ein Tribute: Andere Acts spielen Mikrofisch-Songs nach, darunter Plaste und Elaste, Peer, Supershirt, Lattekohlertor, The Green Apple Sea und The Voltarenes. Dass eine Band sieben Jahre nach ihrer Gründung schon eine eigene Hommage bekam, sagt einiges über das Netzwerk, in dem sie sich bewegte.
Die Kinokoma-Szene
Kinokoma war ein Netlabel, das mit dem früheren Fanzine KOMAKINO verbunden war. Discogs führt Katalognummern von koma 11 (2007) bis koma 36 (2012). Jede Veröffentlichung gab es kostenlos zum Herunterladen, Artwork inklusive, als bewusste Antwort auf die Rechnung kleiner Indie-Labels, die selten aufging.
Mikrofisch waren dort keine Gastband. Mawe N. Klave spielte zugleich bei The Voltarenes, die das Tribute mit einem eigenen Beitrag bereicherten, und betrieb allein das Projekt The Walkie Talkie Monsters. Ein Mensch, drei Namen, ein Label: In den Jahren der MySpace-Profile und Musikblogs war das keine Seltenheit, aber selten so konsequent. Weitere Acts im Katalog waren unter anderem Miss Alaska und Eerie.
Spätere EPs und wo man sie findet
2010 erschien Europe 80's 90's (koma 29) mit „Mauro Farina (Pump the Subharmonics)“ und „Delusions of Decay“. Zum zehnjährigen Bestehen folgte am 5. November 2011 die Morning Bus '11 EP (koma 34), deren Titel auf den Song der Split-Single von 2003 zurückverweist. Laut eigener Biografie feierte das Duo das Jubiläum mit einem kleinen Festival in Hamburg und spielte im selben Jahr beim Exit Festival in Serbien. Unabhängig bestätigt ist das nicht.
Wer heute einsteigen will, beginnt am besten mit Masters of the Universe und hört danach das Tribute. Auf der Bandcamp-Seite des Duos stehen weitere Veröffentlichungen, allerdings ohne Datum.
