Alan McGee wollte nach dem Konzert im Camden Monarch wissen, ob die Band auch auf Englisch singen könne. Sie tat es bereits. Der Akzent der fünf Musiker aus Cardiff war nur so stark, dass der Chef von Creation Records es nicht bemerkt hatte. McGee nahm sie trotzdem unter Vertrag, und aus einer walisischen Undergroundband wurde eine der eigenwilligsten Gruppen der britischen Neunziger.
Super Furry Animals: aus Cardiff in die Welt
Die Band gründete sich 1993 in Cardiff. Die klassische Besetzung sieht so aus: Gruff Rhys singt und spielt Gitarre, Huw Bunford ist der zweite Gitarrist, Guto Pryce spielt Bass, Cian Ciaran Keyboards und Elektronik, Dafydd Ieuan Schlagzeug. In einer frühen Version der Band sang der Schauspieler Rhys Ifans, lange bevor er im Kino bekannt wurde.
Die erste Veröffentlichung trägt einen der längsten Titel der Popgeschichte. Die EP Llanfairpwllgwyngyll… (In Space) erschien 1995 beim walisischen Label Ankst, und Guinness führte ihren vollständigen walisischen Titel als den längsten einer EP. Ein besserer Witz für den Einstand ist kaum denkbar.
Fuzzy Logic und die Alben bei Creation
Bei Creation erschienen drei Alben. Als die Super Furry Animals Fuzzy Logic im Mai 1996 herausbrachten, kam die Platte auf Platz 23 der britischen Charts, und vier Singles wurden ausgekoppelt. Radiator folgte 1997 und stieg auf Platz 8, die höchste Albumplatzierung dieser frühen Jahre. Guerrilla erschien 1999 und brachte mit „Northern Lites“ eine Single, die auf Platz 11 kam.
Zwischen den beiden ersten Alben veröffentlichte die Band im Dezember 1996 „The Man Don't Give a Fuck“, eine limitierte Single, die trotz ihres Titels auf Platz 22 landete. Das Stück wurde ihr fester Rausschmeißer bei Konzerten. Wer die Super Furry Animals Fuzzy Logic heute zum ersten Mal hört, versteht schnell, warum Creation an diese Band glaubte. Die Songs sind eingängig, aber nie glatt, und fast jedes Stück biegt irgendwann in eine unerwartete Richtung ab. Eine ähnliche Lust am Umweg pflegten wenig später am anderen Ende der Welt Architecture in Helsinki aus Melbourne.
Super Furry Animals Songs, die man kennen sollte
Die Band hält einen merkwürdigen Rekord: die meisten britischen Top-40-Hits ohne einen einzigen Top-10-Treffer. Das sagt viel über diese Gruppe. Gute Super Furry Animals Songs gibt es auf jedem Album, einen Song, den alle kennen, gibt es nicht. Ein Einstieg in fünf Stationen:
- „Something 4 the Weekend“ (1996, Fuzzy Logic), Platz 18
- „God! Show Me Magic“ (1996, Fuzzy Logic), Platz 33
- „The Man Don't Give a Fuck“ (1996, Single), Platz 22
- „Northern Lites“ (1999, Guerrilla), Platz 11
- „Hello Sunshine“ (2003, Phantom Power), Platz 31
„Hello Sunshine“ hat eine zweite Karriere gemacht. Der Song lief in der Serie The O.C., deren Musikauswahl viele Indie-Bands bekannt gemacht hat. Mehr dazu steht im Text über Serien-Soundtracks. Wer die Super Furry Animals Songs dieser Liste mag, sollte danach die Alben komplett hören. Die Singles sind nur die Oberfläche.

Mwng: ein Album auf Walisisch
Im Jahr 2000 ging die Band einen Schritt, der kommerziell wenig versprach. Mwng erschien beim Label Placid Casual, ist fast durchgehend akustisch und komplett auf Walisisch gesungen. Es kam trotzdem auf Platz 11 der britischen Albumcharts. Im Parlament wurde das Album dafür gelobt, dass es half, die walisische Sprache lebendig zu halten.
Mwng ist das stillste Album der Band und für viele Hörer das schönste. Man muss kein Wort verstehen, um zu merken, wie selbstverständlich die Musiker in ihrer Sprache singen.
Rings Around the World und die Jahre danach
Mit Rings Around the World wechselte die Band 2001 zu Epic und lieferte gleich eine technische Premiere: Es war das erste Album, das weltweit gleichzeitig als Audio- und als DVD-Fassung erschien. Die Platte wurde für den Mercury Prize nominiert. Auf „Receptacle for the Respectable“ steht Paul McCartney in den Credits, zuständig für „Karotte und Sellerie“.
Danach folgten Phantom Power (2003) und Love Kraft (2005) bei Epic, Hey Venus! (2007) bei Rough Trade und Dark Days/Light Years (2009). Zur Zeit von Hey Venus! sprach das frühere Fanzine KOMAKINO mit Cian Ciaran. Der Keyboarder war zu diesem Zeitpunkt das einzige Bandmitglied, mit dem das Fanzine noch kein Interview geführt hatte. In seinem Terminkalender stand außerdem einmal eine Super Furry Animals Tour durch Deutschland, mit Abenden im Prime Club in Köln, im Grünspan in Hamburg, im Knaack in Berlin, im Atomic Café in München und im Karlstorbahnhof in Heidelberg.

Reunion 2015 und die Rückkehr 2026
Nach Dark Days/Light Years wurde es ruhig. Die erste Reunion kam 2015: Von Mai bis September spielte die Band Konzerte, begleitet von einer großen Neuauflage von Mwng. 2016 folgte die erste Nordamerika-Tour seit sechs Jahren.
Die zweite Reunion ist größer. Im September 2025 kündigten die Super Furry Animals ihre erste Super Furry Animals Tour seit einem Jahrzehnt an, zusammen mit einer Neuauflage von Love Kraft. Die Termine im Mai 2026 waren in Großbritannien und Irland angesetzt, unter anderem in Dublin, Glasgow, Llandudno, Cardiff, Manchester und London, dort in der Brixton Academy. Wegen der Nachfrage kamen Zusatzkonzerte in Glasgow, Llandudno und London dazu.
Am 1. August 2026 schloss sich ein Kreis. Beim National Eisteddfod spielte die Band ihr erstes Konzert, das komplett auf Walisisch war, und führten dabei das ganze Album Mwng auf. Sechsundzwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung.
