Der Name führt in die Irre, gleich doppelt. Miss Alaska kommt nicht aus Alaska, sondern aus Hamburg, wo sie laut Label lebt und arbeitet. Und hinter dem Namen steht keine Band, sondern eine einzelne Musikerin, die auf ihren Aufnahmen jedes Instrument selbst spielt.
Von zwölf Jahren Band zum Soloprojekt
Bevor es Miss Alaska gab, spielte sie zwölf Jahre lang in verschiedenen Bands. Die Label-Biografie nennt zwei davon, Alaska und Poems For Laila. 2007 entschied sie sich, allein weiterzumachen.
Ihr Handwerk hat sie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg gelernt, mit Geige, Klavier und Gesang. Die Geige ist das Instrument, an dem man sie erkennt. Den Rest, Elektronik, Tasten, Stimme, spielt sie ebenfalls selbst, arrangiert ihn und nimmt ihn auf.
Wärme gegen Kälte
Das Label beschrieb ihre Arbeit als Spiel mit Gegensätzen: auf der einen Seite die warme, körperliche Geige, auf der anderen ein winterliches, elektronisches Songwriting. Der Künstlername passt dazu, ebenso die Titel. Schnee und Kälte ziehen sich durch die Songtitel der ersten EP, und schon der Name der Platte klingt nach weiter weißer Landschaft.
Die Einflüsse, die sie selbst nennt, lesen sich wie eine Karte dieser Musik. Velvet Underground und Regina Spektor, mit der übrigens auch Kimya Dawson einen Song aufgenommen hat, stehen für das Lied. Sigur Rós und múm bringen isländische Weite und Streicher, The Notwist aus Weilheim die Verbindung von Indie und Elektronik. Und Steve Reich steht für Wiederholung, für Muster, die sich langsam verschieben.
100 Names for Snow
Die erste EP erschien am 18. Januar 2009 beim Netlabel Kinokoma, Katalognummer koma 22. Sechs Stücke:
- „Subside“
- „Lay Your Love on You“
- „Colder Place“
- „Boy California“
- „Summer in Elva“
- „Snow“
Alle Songs hat Miss Alaska geschrieben, gespielt, arrangiert und aufgenommen. Laut Label stecken in der EP rund drei Jahre Arbeit. Der Titel erinnert an die oft wiederholte, sprachwissenschaftlich umstrittene Behauptung, es gebe in den Sprachen des hohen Nordens Dutzende Wörter für Schnee. Ob sie darauf anspielt, sagen die Quellen nicht. Es passt trotzdem.
Ein kleiner Kontrapunkt steckt in der Titelliste. Zwischen „Colder Place“ und „Snow“ steht „Summer in Elva“, das einzige Stück, das schon im Namen nach Sommer klingt.

Paperheart
Gut ein Jahr später kam die zweite EP. Paperheart erschien am 1. März 2010 als koma 27 und ist mit acht Stücken länger als die erste. Darauf stehen unter anderem „April's Minor Song“ und ein Lied namens „Boyfriend in a Coma“. Wer The Smiths kennt, denkt sofort an deren „Girlfriend in a Coma“. Ob es sich um eine Bearbeitung, eine Antwort oder nur ein Wortspiel handelt, geht aus den Credits nicht hervor.
Eine Hamburgerin bei Kinokoma
Kinokoma war ein Netlabel, das mit dem früheren Fanzine KOMAKINO verbunden war und jede Veröffentlichung kostenlos samt Artwork anbot. Mehrere Acts dort hatten eine Verbindung nach Hamburg: Auch Mikrofisch und die Voltarenes hatten Mitglieder in der Stadt. Mit Miss Alaska kam die Geige als Hauptinstrument in den Katalog. Neben ihr stand mit Eerie ein Projekt aus Schweden, das auf Gitarren, Verzerrung und Slide setzte und damit ganz anders klang.
Ihre Aufnahmen sind zwischen 2009 und 2010 dokumentiert. Wer sie heute sucht, findet beide EPs mit Titelliste und Katalognummer bei Discogs, und dort ist ein Detail festgehalten, das viel über das Projekt sagt: In den Credits der ersten EP steht hinter fast jeder Rolle derselbe Name.
