Ausgabe Oktober 2026Musik · Kino · Alltag

Liste

Die besten Musikfilme aller Zeiten: Klassiker, 80er und Netflix

Die besten Musikfilme aller Zeiten sind nicht unbedingt die mit den meisten Hits. Diese Liste sammelt 13 Spielfilme von 1977 bis 2021, in denen Musik die Handlung trägt: Tanzfilme, Bandkomödien, Musikerdramen, ein Mockumentary und ein Musical von Netflix, jeweils mit Regie, Jahr und dem Grund, warum man sie sehen sollte.

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AI Filmprojektor neben einem Stapel Schallplatten in einem Kinohinterzimmer im warmen Licht (mit AI erstelltes Bild)
Projektor und Platten · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Was einen guten Musikfilm ausmacht

Ein Musikfilm braucht gute Musik, das ist klar. Er braucht aber vor allem einen Grund, warum diese Musik genau in dieser Szene läuft. Die besten Beispiele lassen die Lieder etwas erzählen, das die Dialoge nicht schaffen: Ein Song zeigt, dass eine Figur erwachsen wird, eine Probe zeigt, dass eine Band zerfällt. Wenn ein Film dagegen nur Hits aneinanderreiht, merkt man das spätestens nach dem dritten.

Diese Liste ordnet die Filme nach Jahrzehnten. Konzertfilme und klassische Biopics fehlen absichtlich, für sie gibt es eigene Artikel über Filme über Musiker und über Konzertfilme. Übrig bleiben Spielfilme, in denen Musik die Geschichte antreibt. Die meisten stammen aus den Jahren zwischen 1977 und 2014, und die Musikfilme der 80er stellen mit vier Titeln die größte Gruppe. Welche Musikfilme dabei die besten sind, ist am Ende Geschmack; die besten Musikfilme aller Zeiten haben aber eines gemeinsam, nämlich dass man sie auch ein zweites Mal sieht.

Musikfilme der 70er: Disco und Mods

Saturday Night Fever (1977)

Regie führte John Badham, die Hauptrolle spielt John Travolta als Tony Manero, ein junger Verkäufer aus Brooklyn, der nur am Samstagabend in der Disco jemand ist. Die Songs der Bee Gees, darunter „Stayin' Alive“, „Night Fever“ und „How Deep Is Your Love“, laufen nicht als Dekoration, sie sind der einzige Ort, an dem Tony frei ist. Das Soundtrack-Album gewann den Grammy als Album des Jahres. Der Film ist viel düsterer als sein Ruf als Discofilm, und genau das macht ihn sehenswert.

Quadrophenia (1979)

Franc Roddam drehte den Film nach dem gleichnamigen Album von The Who aus dem Jahr 1973. Phil Daniels spielt Jimmy, einen jungen Mod im London von 1964, der zwischen Amphetamin, Motorrollern und den Straßenschlachten mit den Rockern in Brighton seinen Platz sucht. Die Musik der Who kommentiert seine Lage, ohne dass die Band selbst auftritt. Sehenswert ist der Film als Porträt einer Jugendkultur, das ohne Nostalgie auskommt und auch Sting in einer frühen Rolle zeigt.

AI Kinofassade im Stil der Siebzigerjahre bei Nacht mit leerer Leuchtreklame und nassem Pflaster (mit AI erstelltes Bild)
Kino der Siebzigerjahre · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Musikfilme der 80er: von Spinal Tap bis Dirty Dancing

Die Musikfilme der 80er sind bunter und lauter als die des Jahrzehnts davor. MTV startete 1981, und plötzlich sahen Filmszenen aus wie Musikvideos und umgekehrt. Vier Titel aus den 80er Jahren zeigen, wie breit das Feld war.

The Blues Brothers (1980)

John Landis schickt Dan Aykroyd und John Belushi als Jake und Elwood Blues auf eine „Mission von Gott“: Sie sollen Geld für ein Waisenhaus in Chicago auftreiben. Unterwegs treffen sie Aretha Franklin mit „Think“, Ray Charles in seinem Musikgeschäft, James Brown als Prediger und Cab Calloway mit „Minnie the Moocher“. Die Verfolgungsjagden sind absurd, die Musiknummern ernst gemeint. Allein die Gastauftritte, die Soul und Rhythm and Blues einem jungen Publikum vorstellten, rechtfertigen den Abend.

This Is Spinal Tap (1984)

Rob Reiner inszeniert sich selbst als Dokumentarfilmer, der die fiktive britische Band Spinal Tap auf ihrer US-Tournee begleitet. Die Musiker spielen und singen selbst, die Lieder klingen ernst genug, um wehzutun. Der Verstärker, der „bis elf“ geht, und das zu klein geratene Stonehenge-Bühnenbild sind in die Alltagssprache eingegangen. Kaum ein Film trifft die Selbstüberschätzung des Rockgeschäfts so genau, und viele Musiker sagen, dass sie darin ihre eigene Band erkennen.

Purple Rain (1984)

Albert Magnoli drehte den Film mit Prince in Minneapolis, viele Konzertszenen entstanden im Club First Avenue. Prince spielt „The Kid“, einen jungen Musiker zwischen Bühne, Elternhaus und Konkurrenz durch die Band The Time. Die Musik, darunter „When Doves Cry“ und der Titelsong, gewann den Oscar für die beste Filmmusik in der Kategorie Original Song Score. Die Handlung ist dünn, die Auftritte nicht. Wer wenig Zeit hat, bleibt wenigstens für die letzten zwanzig Minuten.

Dirty Dancing (1987)

Regie führte Emile Ardolino. Jennifer Grey spielt Baby, die im Sommer 1963 mit ihrer Familie in einem Ferienhotel in den Catskills Urlaub macht und von Johnny, gespielt von Patrick Swayze, tanzen lernt. Der Soundtrack mischt Oldies der frühen 60er mit neuen Songs, und „(I've Had) The Time of My Life“ von Bill Medley und Jennifer Warnes gewann den Oscar als bester Filmsong. Er spricht klüger über Klasse und Geld, als sein Ruf vermuten lässt.

AI Leere Rollschuhdisco der Achtzigerjahre mit Neonlicht auf glänzendem Boden und Spiegelkugel (mit AI erstelltes Bild)
Rollschuhdisco · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Musikfilme der 90er und 2000er

The Commitments (1991)

Alan Parker verfilmte den Roman von Roddy Doyle über junge Leute aus dem Norden Dublins, die eine Soulband gründen. Die Darsteller waren größtenteils Musiker und singen selbst, Andrew Strong war als Sänger Deco erst 16 Jahre alt. Die Band spielt Klassiker wie „Mustang Sally“ und „Try a Little Tenderness“, und man hört, wie sie von Probe zu Probe besser wird. Der Film zeigt, dass eine Band eher an Streit als an fehlendem Talent zerbricht.

Almost Famous (2000)

Cameron Crowe erzählt halb autobiografisch, wie er als Teenager für den Rolling Stone mit einer Band auf Tour ging. Im Film heißt die Band Stillwater und ist erfunden, der Rest der frühen 70er nicht. Die berühmteste Szene zeigt den ganzen Tourbus, der nach einem Streit gemeinsam „Tiny Dancer“ von Elton John singt. Der Film gewann den Oscar für das beste Originaldrehbuch und 2001 den Grammy für den besten Compilation-Soundtrack. Sehenswert für jeden, der einmal über Musik geschrieben hat.

24 Hour Party People (2002)

Michael Winterbottom drehte den Film nach einem Drehbuch von Frank Cottrell Boyce. Steve Coogan spielt Tony Wilson, den Chef von Factory Records, und führt durch die Musikszene Manchesters von 1976 bis 1992: das Konzert der Sex Pistols, Joy Division, New Order, die Happy Mondays und den Club Haçienda. Wilson spricht oft direkt in die Kamera und gibt zu, dass manches so nicht passiert ist. Er taugt als Gegenstück zu jedem ernsten Biopic und lief 2002 im Wettbewerb von Cannes.

Once (2007)

John Carney drehte den Film mit sehr wenig Geld auf den Straßen von Dublin. Glen Hansard von der Band The Frames spielt einen Straßenmusiker, Markéta Irglová eine junge Tschechin, die Klavier spielt. Die beiden schreiben und nehmen in wenigen Tagen ein paar Songs auf, und mehr passiert im Grunde nicht. „Falling Slowly“ gewann 2008 den Oscar als bester Filmsong. Hier lässt sich zusehen, wie ein Lied entsteht, ohne dass der Film es erklärt.

AI Fernbedienung und Popcornschale auf einem Sofa vor einem modernen Fernseher mit abstraktem Farbbild (mit AI erstelltes Bild)
Filmabend auf dem Sofa · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Die besten Musikfilme seit 2010

Inside Llewyn Davis (2013)

Joel und Ethan Coen erzählen von einer Woche im Leben eines erfolglosen Folksängers in Greenwich Village, kurz bevor Bob Dylan die Szene veränderte. Die Geschichte ist lose angelehnt an die Erinnerungen von Dave Van Ronk. Oscar Isaac singt und spielt alle Stücke selbst und meistens in voller Länge, live aufgenommen, T Bone Burnett war für die Musik verantwortlich. Der Film gewann in Cannes den Großen Preis der Jury. Was bleibt, sind eine Katze und das Gefühl, knapp danebenzuliegen.

Whiplash (2014)

Damien Chazelle zeigt einen jungen Jazzschlagzeuger, gespielt von Miles Teller, an einem Konservatorium in New York und seinen Lehrer Fletcher, gespielt von J. K. Simmons. Fletcher treibt seine Big Band mit Beleidigungen und geworfenen Stühlen an, und der Film fragt, ob Größe solche Methoden rechtfertigt. Simmons gewann den Oscar als bester Nebendarsteller, der Film außerdem die Preise für Schnitt und Ton. Der Höhepunkt ist das Schlusssolo, das sich anfühlt wie ein Actionfilm.

AI Historischer Kinosaal mit roten Sesseln und leuchtender Leinwand, eine Silhouette von hinten (mit AI erstelltes Bild)
Im Kinosaal · Mit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Musikfilme von Netflix

Wer nach den besten Musikfilmen Netflix-eigener Produktion sucht, landet schnell bei Biopics und Konzertfilmen. Spielfilme mit erfundener oder frei erzählter Handlung sind seltener. Welche Titel gerade im Programm sind, ändert sich ständig, deshalb geht es hier nur um Filme, die Netflix selbst hergestellt hat.

tick, tick... BOOM! (2021)

Lin-Manuel Miranda, bekannt durch „Hamilton“, gab mit diesem Film sein Regiedebüt. Andrew Garfield spielt Jonathan Larson, der Jahre vor seinem Musical „Rent“ als Kellner in New York arbeitet und gegen seinen 30. Geburtstag anschreibt. Grundlage ist Larsons gleichnamiges Bühnenstück, die Lieder stammen von ihm. Ansehen lohnt sich als Film über die Arbeit am Schreiben, nicht nur über den Erfolg.

Unter den besten Musikfilmen Netflix-eigener Produktion ist er der klarste Spielfilm. Die Biopics „Ma Rainey's Black Bottom“ und „Maestro“ stehen im Artikel über Filme über Musiker, „Homecoming“ bei den Konzertfilmen.

Häufige Fragen

Was ist der beste Musikfilm aller Zeiten?

Eine objektive Antwort gibt es nicht, aber einige Titel tauchen in fast jeder Liste auf. „This Is Spinal Tap“ von 1984 gilt als die Komödie über Rockmusik schlechthin, „Almost Famous“ gewann einen Oscar für das Drehbuch, und „Inside Llewyn Davis“ bekam 2013 in Cannes den Großen Preis der Jury. Wer nur einen Film sehen will, sollte mit dem anfangen, dessen Musik er am wenigsten kennt.

Welche Musikfilme gibt es auf Netflix?

Was ein Streamingdienst anbietet, wechselt ständig, deshalb nennt diese Liste keine Verfügbarkeiten. Sicher ist nur, welche Musikfilme Netflix selbst produziert hat. Dazu gehören „tick, tick... BOOM!“ von Lin-Manuel Miranda aus dem Jahr 2021, die Biopics „Ma Rainey's Black Bottom“ und „Maestro“ sowie Konzertfilme wie „Homecoming“ von Beyoncé. Ältere Klassiker laufen zeitweise bei verschiedenen Streamingdiensten.

Welche Musikfilme der 80er sollte man kennen?

Vier Titel prägen das Jahrzehnt: „The Blues Brothers“ (1980) mit Aretha Franklin und James Brown, „This Is Spinal Tap“ (1984), „Purple Rain“ (1984) mit Prince und „Dirty Dancing“ (1987). Sie decken fast alle Spielarten ab, die der Musikfilm damals hatte, von der Musikkomödie über den Rockstar-Film bis zum Tanzfilm mit einem Song, der einen Oscar gewann.

Was ist der Unterschied zwischen Musikfilm und Musical?

Im Musical singen die Figuren ihre Gefühle aus, auch dort, wo im echten Leben niemand singen würde. Im Musikfilm entsteht die Musik dagegen meist innerhalb der Handlung: auf einer Bühne, in einem Proberaum, aus einem Radio. Die Grenze ist durchlässig. „La La Land“ ist ein Musical, „Whiplash“ desselben Regisseurs ein Musikfilm, und „tick, tick... BOOM!“ steht irgendwo dazwischen.

Sind Konzertfilme auch Musikfilme?

Im weiten Sinn ja, aber sie folgen anderen Regeln. Ein Konzertfilm dokumentiert einen Auftritt und erzählt keine erfundene Geschichte. Deshalb fehlen „The Last Waltz“ und „Stop Making Sense“ in dieser Liste. Sie haben einen eigenen Artikel über Konzertfilme bekommen, der von „Monterey Pop“ aus dem Jahr 1968 bis zum Film zur Eras Tour von Taylor Swift reicht.