lehmann - jungwww.randalaise.de
(mawe) Lehmann heißt wirklich so. Es steht auf seinem Klingelschild. Schon
2001 hieß er so, da gab es das Buch noch gar nicht. Damals hatte er
mit "Hastemanemark", einem Post-Protestsong mit Hip-Hop-Beat,
Skid-Row-Sample und dem besten Text seit [hier Lieblingsstück von
Tocotronic, Rio Reiser oder Deutsche Trinkerjugend einfügen] einen
kleinen Underground-Hit. Das auf der darauffolgenden EP enthaltene,
kongeniale Stück "Er, mir und Dir" war Namensgeber für das in
Köln stattfindende "Fucking Independent"-Festival. Bei der zweiten oder
dritten Auflage dieses Festivals absolvierte er einen denkwürdigen
Auftritt, während dessen er, aufgrund der fortgeschrittenen Zeit schon
leicht angetrunken, im Lied "Poserrockrevival 1997" spontan eine dritte
und vierte Strophe einfügte: "Es wird ein Revival-Revival geben" und
"Es wird ein Scheißdreck-Revival geben".
Diese beiden Strophen sind nicht enthalten in der neuen Version auf dem
aktuellen Album "Jung". Dafür ist das Stück dank professioneller
Instrumentierung und Backgroundgesang, weit weg von
Lagerfeuergeschrammel, zu einem richtigen Monster geworden. Das gesamte
Album wurde in einer Burg aufgenommen, und zwar komplett
ohne Synthesizer, Sampler oder Sequencer, dafür mit richtig guten
Musikern. Kein Plastik. Hand und Fuß. Das gilt auch für die Texte, die
- "wir schmeißen Bimssteine auf die Bourgeoisie, ficken die
Drecksoligarchen ins Knie", " Meine Fresse ist trocken von gelebter
Harmonie" - von bewundernswertem Witz (und von oft unbequemer
Wahrheit) sind. Also: wem das Gros der Neuen Deutschen
Befindlichkeitswelle zu platt ist, wer sich nicht von seinem
Indie-Scheuklappen davon abhalten lässt, auch mal "Muckermusik" zu
hören, der sollte sich das mal ziehen. Genau: 5 Stücke vom Album gibts
auf der Website umsonst, den Rest kann man für einen selbst gewählten
Betrag runterladen. "Ich bin fucking independent, hör mir zu!"
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